Für Interessenten eine bis vier  PREDIGT(en)                        

(Es ist nicht auszuschließen, dass ich auch mal den einen oder anderen Gedanken "übernommen" habe, ohne dies in jedem Fall ausdrücklich zu benennen.)  

Am 31. März 2014 endete mein Dienst im Pfarrsprengel Thale - 

seit dem 1. April 2014 bin ich Beauftragte für Springerdienste im Kirchenkreis Halberstadt.

Seit dem 1. Januar 2026 bin ich ehrenamtlich im Kirchenkreis unterwegs.

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Gottesdienst EXAUDI

17. Mai 2026

9.30 Uhr Groß Quenstedt

 

Epistel = Predigttext:          Römer 8; 26 – 30

 

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist.            Amen.

Liebe Gemeinde,

im kirchlichen Bereich heißt der heutige Sonntag EXAUDI – das bedeutet: Höre meine Stimme, Gott.

Eine wichtige Bitte – ein dringlicher Appell! Ich möchte gehört werden – angehört – ich möchte, dass ich nicht vergeblich auf dieser Welt lebe – ich möchte aus meinem Leben etwas machen – ich möchte ernstgenommen werden.

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten bittet die christliche Gemeinde um den Heiligen Geist. Gott möge ihn ihr immer wieder geben. Gott möge ihn nicht von ihr nehmen - denn ohne ihn kann sie nicht leben, sie hat ihn nötig.

Wie immer bei Paulus kommt der Text etwas anstößig und schwer verstehbar daher. Komplizierte Redewendungen erschweren den Zugang, es sind Reizworte enthalten, zum Beispiel das von der Schwachheit.

Wer redet schon gerne von Schwäche und Unvermögen, von mangelnder Kraft und Stärke oder von angeschlagenem Selbstwertgefühl. Gefühle von Ohnmacht kennen wir zur Genüge - das muss uns nicht noch unter die Nase gerieben werden.

“Der Geist hilft unserer Schwachheit auf” heißt es. Es soll gute Nachricht für Geschwächte sein - mitten in der Schwachheit wird geholfen.

Erinnern wir uns: Damals in Jerusalem saß ein Häuflein Leute kleinlaut zusammen. Ihnen war der Inhalt ihres Lebens genommen worden. Sie hatten große Hoffnungen auf einen Mann gesetzt, seinetwegen ihren Lebensweg verändert. Dann war er gefangen, verurteilt, verhöhnt und schließlich hingerichtet und begraben worden.

Was danach geschah, hatten sie noch immer nicht ganz begriffen. Erst war die Botschaft gekommen: “Er lebt. Er ist auferstanden. Er ist mitten unter euch, allerdings nicht sichtbar und greifbar.” Und die neueste Nachricht lautete: Er ist zum Himmel aufgefahren.

Praktisch hieß das: Er ist nicht mehr da. Weiter weg als der Himmel kann ja nichts sein. Was nützt ihnen, dass er auferstanden ist? Was nützt seine Zusage: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende?

Die Nachfolger Jesu spüren schon ihre Schwäche. Und damit sind sie nicht viel anders dran als wir. Erklären sie einmal einem Fremden Ostern oder Himmelfahrt - das wird schwierig. Und das nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Kirche. Da kommt der Satz: Der Geist hilft unserer Schwachheit auf.

Wir werden eingeladen, zu dieser Zusage Vertrauen zu fassen, allem Augenschein zum Trotz - trotz aller Sorgen um die Zukunft der Kirchen und der Welt. In allen Ohnmachtserfahrungen bittet die Gemeinde um die Kraft des Heiligen Geistes.

Manchmal hängt das Leben entscheidend davon ab, dass einer geistesgegenwärtig das Richtige tut. Solche Geistesgegenwart brauchen wir in unseren Gemeinden. Geistesgegenwart brauchen wir in einer Kirche, die um ihre Existenz besorgt ist und mit klugen Gedanken, mit Plänen, Ausschüssen und Papieren versucht, die Situation in den Griff zu bekommen.

Aber bedroht ist die Kirche nicht durch Austritte, durch den Verlust von Ansehen und Finanznöte - wirklich bedroht ist sie durch Geist-Losigkeit, durch Geistes-Abwesenheit.

Paulus bekennt von dem Geist Gottes: Er greift uns unter die Arme, wenn wir am Ende sind und alle Hoffnungen fahren lassen wollen.  Es fällt schwer zu glauben, dass uns alle Herrlichkeit des Gottesreiches gehört. Es gibt zu viel Leid in der Welt. Verschiedenste Schwierigkeiten und Katastrophen fechten den Glauben an und nähren die Zweifel.

Da kann nur der Geist einspringen. Er hält Hoffnungen und Sehnsüchte am Leben. Er ist wie eine Klammer zwischen dem widersprüchlichen Jetzt und der von Gott verheißenen Zukunft. So können wir das eine ertragen und werden das andere nicht verlieren.

Diese Worte können entlasten. Sie verschaffen Luft zum Atmen. Paulus spricht Menschen an in ihrer Unvollkommenheit. Er spricht uns an in der Schwachheit. Er geht davon aus, dass wir trotz aller Bemühungen oft genug nicht zum Ziel kommen – nicht in der Erziehung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen – nicht im Verwirklichen unserer Träume und Hoffnungen.

Ich denke, es gehört zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen, sich über Erfolge freuen zu können. Es ist wichtig für die eigene Leistungsfähigkeit dankbar zu sein.

Paulus verübelt die Unvollkommenheit nicht - das Erleben von Stärke oder Schwäche ist keine Frage moralischer Bewertung noch eigener Anstrengung. Solange wir uns mit unseren Grenzen befreunden müssen, solange wird der Geist für uns sprechen und die richtigen Worte finden.

Paulus ermuntert dazu, nicht gering von sich selbst zu denken. Er lädt ein, die eigenen Schwächen anzunehmen als Teil des Lebens. Das ist weit mehr, als sie nur hinzunehmen und auszuhalten. Das Verborgene, Kleine, Ungenügende in mir selbst gehört zu mir.

Sich Fehler einzugestehen, von der Schwachheit nicht gering zu denken - das ist ein Ausdruck der Stärke. In der Schwäche ist die Stärke schon da.

Der Geist Gottes, die Kraft Gottes hilft. Von ihm geht Gelassenheit aus.

Der Geist hilft unserer Schwachheit auf - das haben die Jünger in Jerusalem erlebt. Die Pfingstbotschaft hat mit großem Staunen darüber berichtet. Sie hatte eine Voraussetzung:

Die Menschen, die ihre Erfahrungen mit Jesus gemacht hatten, waren zusammengeblieben. Sie waren beieinander geblieben, obwohl ihre Bedeutungslosigkeit für jedermann - auch für sie selbst - offensichtlich war. Sie waren nicht auseinander gelaufen.

Ostern, Auferstehung und die Verheißungen Jesu waren stärker als die Gefühle der Ohnmacht und die Ratlosigkeit.

Dabeibleiben - zusammenbleiben - auch wenn mancher weggeht, auch wenn die Wertschätzung der Kirche sinkt. Ich glaube, das ist jetzt auch dran. Schritte des Glaubens wagen, auch wenn anderes spektakulärer ist und mehr Aufsehen erregt.

Zusammenbleiben - und beten. Paulus gesteht ein, oft nicht zu wissen, wie und was er beten kann. Es gibt Situationen, wo die Worte fehlen. Gott will uns Menschen als Gegenüber - eine Form davon ist das Gebet. Und wenn wir selbst nicht weiterwissen, dann hilft der Geist - dann können die alten überlieferten Worte helfen.

Ich möchte aus dem Paulustext mitnehmen:

Zusammenbleiben - beten - die überlieferten Verheißungen nicht vergessen - dazu werden wir eingeladen. Die Welt wird sich damit nicht schlagartig verändern, aber unser Blick kann sich erweitern, muss nicht in trister Gegenwart stehen bleiben.

Schön, dass es diese Möglichkeit gibt, dass wir miteinander und füreinander beten können.

Und vielleicht kommt auch nur die eine Bitte dabei heraus: Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen.  Mache uns zu geistesgegenwärtigen Menschen.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.       Amen.

 

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Jubilate   26. April 2026

10 Uhr HBS Liebfrauen

Evangelium:                 Johannes 15; 1 - 8                                     

 

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist.                     Amen.

Liebe Gemeinde,

in der Bibel wird der Wein, der Weinberg oder eben auch der Weinstock als ein Bild gebraucht, um bestimmte geistliche Gedanken zu verdeutlichen.

„Ich bin der Weinstock - ihr seid die Reben.“ Ein ganz bekanntes Wort, das sehr häufig als Konfirmationsspruch genommen wird.

Bevor Jesus diesen Satz ausspricht, sagt er einen anderen:
„Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.“

 

Wie eine Weinpflanze aussieht wissen wir alle. Es gibt den Weinstock, diesen zumeist alten, knorrigen Stamm. Aus diesem Stamm entwachsen die Zweige, die Reben; und an den Reben wachsen die Weintrauben.

Nun sagt Jesus: Ich bin der wahre Weinstock. Ich bin nicht irgendein Weinstock, nein, ich bin der wahre Weinstock.

Wenn er sagt: Ich bin der wahre Weinstock, dann heißt das, es gibt auch andere Weinstöcke, die Lebenskraft verheißen. Und das war auch schon zur Zeit Jesu Lebenswirklichkeit.

Es gibt eine Fülle von Lebensvorstellungen, Lebensgedanken, Philosophien, Religionen. Und überall werden Gedanken zum Leben verbreitet. Das ist bis heute so geblieben. Viele wollen etwas einreden – seien es falsche Freunde oder die Werbung oder das, was angeblich cool ist – und leider wird oft auf die gehört, die am lautesten schreien.

Lebensversprechungen werden viele gemacht und Menschen sind oft neugierig zu hören, was sie so versprechen. Und manch einer oder eine läuft von Gruppe zu Gruppe, ohne letztlich zu finden, was das Leben wirklich trägt.


Meine Frage ist, was macht Jesus zu einem Weinstock der besonderen Art, zum wahren Weinstock?


Für mich ist es vor allem die Art und Weise, wie Jesus an die Menschen herangeht. Er stellt nicht an erster Stelle Forderungen an einen Menschen, den dieser dann erfüllen muss, um zum wahren Leben zu gelangen. Zuerst begegnet in Jesus jemand, der bedingungslos annimmt. Du bist wer, du musst nicht erst jemand werden.

Der einfache Fischer, der ungeliebte Zöllner, der politische Aktivist, der Verräter, der Verleugner, der Ausgegrenzte, der Ängstliche, Menschen mit schwerer Vergangenheit, Menschen ohne Ansehen – sie alle wurden erst einmal so angenommen, wie sie waren.

„Du bist es wert, dass ich mich dir zuwende“ - mit dieser inneren Einstellung geht Jesus auf Menschen zu.

Und noch etwas gehört für mich dazu: Jesus ist der Gebende. Bei ihm beginnt der Glaube nicht mit einem Katalog von Bedingungen, sondern mit einem Geschenk – mit seiner Nähe, seiner Hingabe, seiner Liebe.

Er kommt nicht als einer, der sagt: „Ich habe etwas für euch – aber erst müsst ihr euch beweisen.“ Sondern er tritt zu Menschen hin, wie sie sind, und eröffnet ihnen Leben. Die Veränderung wächst dann nicht aus Druck, sondern aus Vertrauen.

Bei Jesus spüre ich: Es geht ihm nicht um seine eigene Größe, nicht um Macht oder Vorteile. Sein Herz schlägt für den Menschen – für Freude am Leben, für Liebe, für das Aufrichten und Ermöglichen von Leben bei anderen.

Also: Der einzelne Mensch ist ihm wichtig. Und wo Menschen wichtig sind, da bleibt es nicht bei schönen Worten – da wird begleitet, gepflegt, behutsam zurechtgebracht, damit Leben wachsen kann.

Darum passt das Bild, das Jesus wählt: „Mein Vater ist der Weingärtner.“ Ein Weingärtner überlässt die Reben nicht sich selbst. Er sieht genau hin, was stärkt und was schwächt. Die Reben werden gereinigt – gepflegt.

Das hat zwei Seiten. Manchmal löst es zuerst Unruhe aus: „Bringe ich denn genug Frucht? Werde ich am Ende abgeschnitten?“

Doch Jesus ist niemand, der klein machen oder Angst einjagen will. Er lädt ein, den guten Weg des Lebens zu finden – und er geht ihn mit uns.

Reinigen bedeutet: Ich werde gesehen. Ich bin Gott nicht egal. Meine „Rebe“ hat Gewicht. Und weil sie wichtig ist, wird sie gepflegt.

Denn, nicht alles in unserem Leben ist heil und geordnet. Da gibt es Knoten, Verletzungen, ungute Gewohnheiten, harte Worte. Gott will nicht anklagen, sondern helfen, damit Heil wachsen kann.

Liebe heißt nicht: „Alles ist egal.“ Liebe heißt: Ich nehme dich an – und ich traue dir Leben zu. Jesu Zuwendung eröffnet einen Weg, auf dem wir unterscheiden lernen, was dem Leben dient und was es eng macht.

Ich habe einmal Jugendliche gebeten aufzuschreiben, was ihnen wichtig ist im Leben und die Zettel an einer kleinen Strickleiter befestigen – ganz oben, was ihnen besonders wichtig ist.

Da kam natürlich Elektronik vor und Spiele und Ferien und ein Fahrrad/Moped – aber ganz oben und immer wieder stand: Freunde – Eltern – Liebe – Onkel, Tanten, Großeltern – also immer wieder Menschen.

Jeder Mensch lebt in Beziehungen zu anderen – ist verbunden mit anderen – und das ist wichtig, wichtiger als materielle Güter.

Damit sind sie auf einem richtigen Weg und in der Nachfolge von Jesus, dem Menschen immer das Wichtigste waren.


Die Beziehung zu Jesus bedeutet auch, Auseinandersetzung mit seinem Weg, es bedeutet, sich auf den Weg der Nachfolge zu begeben, seinem Vorbild zu folgen und sich seinen Maßstäben zu stellen.

Darin liegt manches, was unseren eigenen Wunschvorstellungen widerspricht, was unseren eigenen Interessen entgegensteht und was wir uns mühsam abschneiden müssen.

Zum Beispiel: „Vergelte nicht Böses mit Bösem.“ Wir alle kennen sicher Worte von Jesus, über die wir stolpern, die zum Widerspruch provozieren – und das wird bleiben in jedem Lebensalter.

Glaube - das ist nichts Festes und Fertiges, sondern etwas sehr Lebendiges, das immer wieder neu belebt werden muss.

Wer auf Jesus vertraut, wer sich von ihm sein Leben zeigen lässt, der wird Frucht bringen. Jede Rebe wird seine Frucht in diese Welt bringen, jede auf ihre Weise, jeder mit seinen Möglichkeiten, jeder und jeder so wie er oder sie kann.

Wer sich mit Jesus verbunden weiß, der wird versuchen, das Geschenk des Lebens auch weiter zu geben. Liebe, Annahme, Lebensermutigung, das kann man nicht bei sich selber behalten.

Davon ist Jesus überzeugt und das ist auch sichtbar in dem, was Christen auf dieser Welt leisten und tun. Was nicht heißt, dass nicht auch Christen falsche Wege gehen, dass sie sich trotz Berufung auf den Namen Jesu, weit von ihm entfernt haben. Die Geschichte zeigt da leider viele Beispiele.

Jesus ist realistisch genug um zu wissen: Kein Mensch kann immer nur gute Taten vollbringen. Es wird immer wieder falsche Wege und Sackgassen geben.

Und doch gilt: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Darum ist es wichtig, sich Jesus immer wieder neu zu stellen, sich dem Wort der Bibel zu stellen, um den Bezug zu ihm nicht zu verlieren – und das heißt auch, in der Gemeinschaft der Christen zu bleiben.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht...

Jesus fordert zum Bleiben auf.

Bei einer Rebe am Weinstock mag das seltsam klingen – sie wird sich nicht selbstständig entfernen. Für sie wäre es eine „unmögliche Möglichkeit“, sich vom Weinstock zu trennen. Aber Jesus kennt uns: Er weiß, wie schnell wir uns innerlich lösen – aus Stolz, aus Müdigkeit, aus Enttäuschung oder weil wir meinen, wir müssten alles alleine schaffen. Und deshalb brauchen wir immer wieder die Erinnerung daran, die guten Bindungen von den schädlichen zu unterscheiden: das, was Leben fördert, von dem, was uns langsam austrocknet.

Wir Menschen haben die Fähigkeit, uns selbst zu überfordern und manchmal sogar das zu beschädigen, wovon wir leben: die Erde, die Luft, unsere Beziehungen, unsere eigenen Kräfte. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gegenseitig helfen, aufmerksam zu bleiben – und einander liebevoll darauf hinweisen, wo Lebensfeindliches wächst, damit wieder Neues entstehen kann.


Ohne Jesus würden wir in manchen Unwägbarkeiten des Lebens leicht den Halt verlieren. Mit ihm dürfen wir uns – auch mit unseren Schwächen – getragen wissen und zugleich ermutigt, bei Jesus und seiner Gemeinde zu bleiben.

 

Das heißt: Raum bekommen für Neuanfang, für Versöhnung, für neue Schritte. Darin liegt die „reinigende“ Arbeit des Weingärtners.


Unsere Frucht ist es, dankbar zu sein und diese Stärkung weiterzugeben – in Liebe, Geduld und Hoffnung. So loben und danken wir Gott: nicht nur heute, am Sonntag Jubilate, sondern mitten im Alltag. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.       Amen.

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Ostermontag

 6. April 2026 – 9.30 Uhr Groß Quenstedt

Neue Möglichkeiten zu leben kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist. Amen.

Liebe Gemeinde,

vor einigen Tagen habe ich eine Straßenumfrage gesehen, was Menschen so von Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern wissen und warum das gefeiert wird. Niederschmetternd, was da an Antworten kam bzw. eben nicht kam, quer durch alle Altersstufen.

Manche wussten immerhin, dass es sich um irgendetwas Kirchliches handelt.

Das liegt sicher nicht nur daran, dass es einen schwer nachvollziehbaren Hintergrund hat und viele noch nie eine Bibel gesehen, geschweige denn darin gelesen haben.

Denn auch denen, die wissen, worum es zu Ostern geht, fällt oft schwer, es zu beschreiben und fröhlich Ostern – Auferstehung – zu feiern.

Zu nahe sind die Bilder aus der Ukraine, dem Gaza-Streifen, dem Iran, Israel und anderen Krisengebieten der Welt, die so oft vergessen werden. Menschengemachte Katastrophen, die uns alle mit betreffen und  menschenverachtende Diktatoren, die offenbar nicht zu stoppen ist, jedenfalls nicht mit zivilisierten Mitteln. Aber: Können Waffen Frieden schaffen?

Es bleiben viele offene Fragen.

Keine gute Zeit, um fröhliche Osterlieder zu singen.

Der Evangelist Markus hat das kürzeste der vier Evangelien geschrieben und nach 16 Kapiteln endet es mit vier Worten: „Denn sie fürchteten sich.“

Die Verse danach sind erst später dazugekommen. Wahrscheinlich haben sich die Bearbeiter gedacht: Das kann doch nicht so enden nach allem was geschehen war, nicht mit Furcht und Zittern.

Aber es sind diese vier Worte: „Denn sie fürchteten sich.“

Die Furcht der drei Frauen ist verständlich. Eben noch die Kreuze auf dem Hügel, eben noch der sterbende Jesus. Sie hatten ihn begleitet, sie gehörten zum engsten Kreis.

Der Weg zum Kreuz war unsagbar schwer für sie. Bis zuletzt hatten sie gehofft, dass es anders kommen würde.

Wie werden sie die beiden letzten Nächte verbracht haben? Sicher schlaflos, vielleicht nur ein paar Mal eingenickt, ansonsten allein mit dem Chaos der Gefühle. Wie es eben so ist, wenn jemand verstorben ist.

Da waren die vielen Fragen: Wie soll es weitergehen ohne ihn?

Sie stehen erst am Anfang ihrer Trauerzeit. Früher dauerte sie ein ganzes Jahr. Man ging nicht schnell einfach wieder zur Tagesordnung über. Die Menschen versuchten erst zu begreifen, was geschehen war.

Anders als heute, oft wird der Tod schnell vergessen, verdrängt, Trauer nicht zugelassen, schon gar nicht öffentlich Sichtbare. Von meiner Großmutter weiß ich noch, dass sie nach dem Tod ihres Mannes eine schwarze Trauerbinde am Arm trug – alle sollten wissen: Ich bin in Trauer…. Heute gibt es manchmal nicht mal eine Trauerfeier – weg ist weg.

Den ersten mutigen Schritt haben die Frauen damals hinter sich: Sie haben sich aufgerafft, sind wieder ans Licht gegangen, in die Sonne. Trotz des Kreuzes, trotz des Todes am Karfreitag. Ganz früh am Morgen gehen sie los. Sie wollen unter sich sein, ohne Zeugen für ihren Schmerz und sie wollen noch etwas Gutes tun für den verstorbenen Freund, ihn noch einmal zärtlich berühren, seinen Körper salben.

Unterwegs haben sie überlegt: Wer wälzt uns den Stein weg vor dem Felsengrab? Aber sie gehen weiter.

Dann kommen sie an und der Stein ist weg. Im Grab treffen sie nicht auf einen Toten, sondern auf einen Boten Gottes. Der weiß, was sie suchen und hat offenbar auf sie gewartet:

„Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier!“

Alles kommt ganz anders als gedacht. Ostern verändert nicht nur den Blickwinkel, sondern führt zu ganz neuen Begegnungen und Erkenntnissen.

Neue Begegnungen: Boten des Himmels holen heraus aus den Gedanken des Todes.

Übergangslos kommt der zweite Osterabschnitt, der Auftrag: Geht, sagt der Engel, und erzählt das alles weiter.

Das Weitersagen gehört zum Osterfest dazu. Ostern will mitgeteilt werden und sich ausbreiten. Kein Ausruhen, kein Verschnaufen, keine Pause, keine Rückfragen. Und dann kommt dieser letzte Vers: „Denn sie fürchteten sich.“

Entsetzt laufen die Frauen erst rückwärts und dann ganz schnell weg. Sie können noch nichts weitererzählen, sind wie gelähmt, das würde ihnen ja doch keiner glauben.

Aber: Sie haben erlebt, dass die trüben Gedanken verschwunden sind. Sie haben erlebt, dass ihre Blicke nicht mehr zu Boden, sondern zum Himmel gerichtet waren. Und irgendwann konnten sie auch davon erzählen.

Wo stehen wir? Haben wir eigene, ganz persönliche Oster-Erlebnisse und Erfahrungen? Taten sich in unserem Leben Wege und Türen auf, wo es aussah, als sei alles zu Ende?

Oft genug müssen wir Orte der Trauer und des Abschieds aufsuchen – und dürfen darauf hoffen, dass uns Boten Gottes begegnen, die einen unerwarteten Weg ins Leben zeigen, die uns sagen: „Er ist auferstanden.“

Ostern verändert – den Alltag – die ganze Existenz. Das zu erleben ist ein Geschenk.

Ostern ist der Aufstand des Lebens über den Tod; der Freude über das Leid.

Ostern wird es, wenn Menschen aufstehen, die gefallen sind. Die umgeworfen wurden: Vom Tod eines nahen Angehörigen, von Krankheit und Schmerz, von Enttäuschungen, dem Zerbrechen von Freundschaften, dem Verlust der Heimat und anderem Leid getroffen und betroffen sind.

Ostern, das ist ein Fest der Hoffnung und des Erwachens, auch heute.

In unserer Zeit, in der wir alle viel Mut zum Leben, zum Aufrechtstehen, zum Auferstehen und zum Aufstand brauchen, wünsche ich uns allen ein gesegnetes ermutigendes Osterfest.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.     Amen.

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Eröffnungsandacht

 Evangelisches Gemeindezentrum Thale 

22. Februar 2020 um 10 Uhr

Dialog Einweihung Gemeindeanbau St. Petri Thale

Ursula Meckel & Thomas Thiede

Ursula: Verehrte Anwesende, liebe Festgemeinde,

als ich ca. 2015 davon erfuhr, dass ein Anbau an der St.Petri-Kirche geplant ist, schossen mir sofort drei Gedanken durch den Kopf:

-          1. Das ist niemals genehmigungsfähig - denn da gibt es die obere, untere und mittlere Denkmalsschutzbehörde – und vermutlich noch diverse andere Instanzen und Behörden, die mitzureden haben.

-          2. Das ist nie und nimmer finanzierbar – ich habe zwar keine Ahnung von den wirklichen Kosten, aber ich bin sicher: Ganz bestimmt nicht von den beiden kleinen Kirchengemeinden hier in Thale.

-          3. Es kann mir eigentlich auch egal sein, weil ich das ganz sicher ohnehin nicht erleben werde.

Nun ja – so kann man sich irren.

Der Bau wurde genehmigt, die Finanzierbarkeit wurde geklärt – es fehlt zwar noch einiges für die Innenausstattung – und ich lebe noch.

Nun ist eine weitere und viel wichtigere Frage offen: Wird der Anbau angenommen von den Menschen, für die er konzipiert ist –

also: Werden sich hier Menschen treffen und miteinander ins Gespräch kommen, diskutieren, kreativ sein, singen, blasen, tanzen, filzen, malen – ein wirkliches Kultur- und Begegnungszentrum?

Das wird die kommende Zeit bringen und ich kann es nur hoffen und wünschen, damit das Engagement, auch das finanzielle, nicht vergeblich war.

Allerdings: Ich höre auch viel Skepsis und Kritik – „Was habt ihr denn da mit unserer schönen Kirche gemacht?“ – „Das passt doch überhaupt nicht dahin!“ – usw. usf.

Thomas: (vom Bläserplatz aus) Aber das ist doch klar. Immer, wenn etwas Neues entsteht sind sofort diejenigen auf der Matte, denen das nicht gefällt. (kommt nach vorne)

Dabei haben wir als Gemeindekirchenrat es uns nicht leicht gemacht. Als 2014 klar war, dass wir unser Gemeindehaus auf der anderen Straßenseite nicht erhalten und auch nicht behalten können, waren wir nicht nur traurig, sondern auch geschockt und ziemlich verzweifelt.

Na klar, hätten wir uns einfach hinsetzen und weinen und uns bedauern können, aber wir wollten nach vorn sehen und überlegen, wie es weitergehen kann. Es gibt so ein schönes Bibelwort: „Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.“

Ursula: Also, ihr wollt hier das Reich Gottes aufbauen?

Thomas: Naja, nicht ganz so vollmundig. Wir möchten, dass sich hier Menschen treffen und begegnen können, etwas miteinander erleben und gestalten. Und nicht nur evangelische Christen, sondern alle Menschen, denen Kultur wichtig ist – deshalb heißt es ja „Kultur-und Begegnungszentrum“. Und dass Kultur wichtig ist, wird ja wohl niemand ernsthaft bezweifeln. Schau dir doch nur an, was gerade in der Politik so läuft – wie respektlos da miteinander umgegangen wird – wie oft Andersdenkende übereinander reden, aber nicht miteinander – sich gegenseitig austricksen - einander verteufeln anstatt sich zuzuhören.

Ursula: Das ist leider wahr. Aber wie wollt ihr das mit diesem Anbau ändern? Soll hier ein Diskutierclub entstehen, wo Menschen unter Anleitung lernen, wie man kulturvoll miteinander umgeht.

Thomas: Natürlich nicht. Oder vielleicht auch? Mal sehen. Auf jeden Fall wollen wir die Möglichkeit geben, dass Menschen etwas gemeinsam erleben – schon das verbindet ja und baut Berührungsängste ab. Beim gemeinsamen Tun kommt man sich näher – oder auch, wenn man sich miteinander erfreut, zum Beispiel an schöner Musik oder gemeinsam einen Film ansieht und sich darüber austauscht, Theater spielen oder anschauen, Lesungen und unterschiedliche Workshops.

Es gab schon mal ein Format, das „Kreuz und quer“ hieß, eine Veranstaltungsreihe mit verschiedenen Angeboten – das möchten wir wieder beleben. Die ersten Termine sind schon geplant.

Ein großer Vorteil des Anbaus ist, dass er barrierefrei gestaltet wurde, also auch für Menschen mit Handicap zugänglich ist, niemand ausgegrenzt wird.

Wir – nicht nur diejenigen vom Gemeindekirchenrat - sind jedenfalls gespannt und neugierig, wie es hier weitergeht – bzw. erst richtig los geht.

Ursula: Mir fällt auch noch ein Bibelwort ein:

„Denn siehe, ich will ein Neues machen; jetzt soll es aufwachsen - erkennt ihr es nicht?“

Da lädt der alte Prophet Jesaja dazu ein, genau hinzusehen wo etwas Neues wächst, darüber zu staunen und es zu pflegen.

Thomas: Genau das haben wir vor – hinsehen, staunen, pflegen – Menschen aktivieren und einladen, nicht nur Thalenser, sondern auch die vielen Touristen, die in unsere Stadt kommen.

Ursula: Übrigens – weißt du, was das hier ist? (Raupe zeigen)

Thomas: Nicht wirklich, sieht aus wie ne olle Raupe.

Ursula: Genau – das Wertvolle und Schöne daran ist zunächst nicht zu sehen – weil es noch inwendig ist:

(Raupe entfalten zum Schmetterling)

Thomas: Wow! So oder jedenfalls so ähnlich stelle ich mir die Zukunft von unserem Kultur- und Begegnungszentrum vor.

Beide:             Amen.

Lied:   Komm, bau ein Haus …      Blatt                                                 Chor, Bläser

 

Wir bitten um Gottes Segen:

Ursula Meckel: Herr, segne unsere Hände, dass sie behutsam seien,

dass sie halten können, ohne zu Fesseln zu werden,

dass sie geben können ohne Berechnung,

dass ihnen innewohnt die Kraft, zu trösten und zu segnen.

 

Thomas Thiede: Herr, segne unsere Augen, dass sie Bedürftigkeit wahrnehmen,

dass sie das Unscheinbare nicht übersehen,

dass sie hindurchschauen durch das Vordergründige,

dass andere sich wohlfühlen können unter unseren Blicken.

 

Steffi Andrä: Herr, segne unsere Ohren, dass sie deine Stimme zu erhorchen vermögen.

dass sie hellhörig seien für die Stimme der Not, dass sie verschlossen seien für Lärm und Geschwätz, dass sie das Unbequeme nicht überhören.

 

Kristin Heyser: Herr, segne unsere Münder, dass sie dich bezeugen,

dass nichts von ihnen ausgehe, was verletzt und zerstört,

dass sie heilende Worte sprechen, dass sie Anvertrautes bewahren.

 

Stefan Ehrhardt: Herr, segne unsere Herzen, dass sie Wohnstatt seien deinem Geist,

dass sie Wärme schenken und bergen können,

dass sie reich seien an Verzeihung, dass sie Leid und Freude teilen können.

 

Ursula Meckel: Herr, segne dieses Haus, dass es offen sei für alle Menschen guten Willens,

dass wir einander zuhören und unterschiedliche Meinungen ertragen,

dass wir voneinander lernen und miteinander feiern können,

dass wir spüren können, wie Himmel und Erde sich berühren.

Amen

 

Musik: „Trumpet Tune“ Bläserklänge S. 292                                                               Bläser

 

 

 

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14. Mai 2017 - 40 Jahre Ordination - Thale St. Andreas

   

                                      

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Gottesdienst 31. Oktober 2014

Wendegedenken – Reformation – Verabschiedung Pastorin Ursula Meckel

Liebe Versammelte,

heute vor 25 Jahren um diese Zeit war ich sehr viel aufgeregter als heute – in zweieinhalb Stunden würde hier in dieser Kirche eine Veranstaltung beginnen, von der niemand sagen konnte, wie sie ausgehen würde – wie viele kommen würden – ob es friedlich bliebe. Einige entschlossene Bürger/innen hatten eingeladen zu einem „Gebet für Land und Leute“ - … ein heute völlig harmloser Text, damals  staatsgefährdend gefährlich – die Handzettel wurden schnell entfernt, doch es hatte sich herumgesprochen.

Etliche sind jetzt hier, die damals auch dabei waren – um viele Erfahrungen reicher.

An diesen Reformationstag vor 25 Jahren erinnern wir.

Reformationstag – ein evangelischer Feiertag, den wir hier in Thale seit vielen Jahren ökumenisch begehen – so auch heute – ein zweiter Grund zur Dankbarkeit, weil das keineswegs überall selbstverständlich möglich ist.

Der dritte Anlass dieses Gottesdienstes: Nach 40 Jahren im kirchlichen Dienst werde ich verabschiedet - von den Kirchengemeinden und vom Kirchenkreis – entpflichtet vom Amt? – von der Pflicht zur Kür? – beziehungsweise verabschiede ich mich? - oder auch nicht?

Schaun wir mal.

Auf jeden Fall feiern wir jetzt einen Gottesdienst mit ganz viel Musik und dafür bin ich dankbar; dankbar allen, die ihn mit ausgestalten – und dazu gehören auch Sie alle hier, die zum Mitsingen eingeladen sind.

Dankbar bin ich vor allem dafür, dass wir uns versammelt haben im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Hilfe erwarten wir von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Chor + Gemeinde: Wo Menschen sich vergessen …

Gott, wir treten jetzt vor Dich mit unseren Erinnerungen, unseren Wünschen, unseren Befürchtungen und unseren Hoffnungen. Wir schauen zurück und nehmen Abschied – wir blicken nach vorn und haben Träume.

Ich möchte bewahren, was gut war in den vergangenen Jahrzehnten. Denn vieles war wunderschön, erfrischend, aufregend, überraschend neu – dafür danke ich, das will ich nicht missen.

Loslassen und bewahren - beides. Gott, gib mir den Mut, die Hände zu öffnen, um Altbekanntes loszulassen. Gib mir den Mut, die Hände zu öffnen und die Arme auszubreiten, um Neues, Unbekanntes zu begrüßen.

Gott, ich danke Dir, dass ich getragen bin von der Hoffnung, gehalten zu werden -  beflügelt von dem Glauben, dass Du Dich kümmerst - auch um mich. Begeistert von dem Glauben, dass Du da bist.

Du hältst die Zeit liebevoll in Deinen Händen. Du bist ewig. Gestern und heute und morgen. Kein Anfang, kein Ende. Die Zeiten kommen und gehen - Du bleibst und rufst zum Leben im Vertrauen auf Dich und Deine beständige Gegenwart. Du bist auch jetzt mitten unter uns. Das ist Grund, sich zu freuen – deshalb:

Jauchzet dem Herrn alle Welt!

Amen.

Chor + Bläser:     Psalm 100

Lesung = Prediger 3; 1 - 13                                   

Meine Hoffnung …

                Credo                                                        

Bläser:                 La nuit

PREDIGT-Einstieg

U.:     Sag mal bitte,  Angelika, findest Du nicht auch, dass das heute hier eine etwas seltsame Veranstaltung ist?

A.:     Wieso seltsam? Es ist ein schöner Gottesdienst in einer vollen Kirche mit aufmerksamen Menschen, viel Musik und guter Stimmung. Und weil aller guten Dinge drei sind, gibt es drei inhaltliche Schwerpunkte: Wende-Gedenken, Reformation und Deine Verabschiedung.

U.:     Wende-Gedenken und Reformation sind klar – aber meine Verabschiedung? Mein Dienst hier im Pfarrbereich endete schon vor sieben Monaten. Ich wohne weiter in der Gemeinde und gehöre zum Bläserchor und in der Stadt bleibe ich ebenfalls, sogar im Stadtrat. Und: Im Kirchenkreis und selbst darüber hinaus geht meine Arbeit weiter. Also was für ein Abschied?

A.: Kann es sein, dass Du Dich um einen Abschied drücken willst?

U.: mhm … Also, mein ältester Patensohn hat mir geschrieben: „Ruhestand KANNST Du gar nicht.“

A.: Weiche nicht aus! Kann es sein, dass Du Dich drücken willst vor dem Abschied? Weil das weh tut?

U.: mhm …

A.: Bisher hast Du das ja ganz geschickt geschafft – denn Dein Dienst im Pfarrbereich Thale endete ja bereits am 31. März – wie Du weißt…

U.: Und Du weißt: Jeder Abschied ist ein kleines Sterben.

A.: Gehts auch etwas weniger theatralisch? - Du weißt: Alles hat seine Zeit … steht doch so schön auf der Einladung: …

U.: Das ist wohl der Unterschied zwischen Theorie und Praxis - oder wie wir hier im Osten gesagt haben: Zwischen Marx und Murks. Ich weiß, dass ich mich dem stellen muss. Nur: Zum April hast Du hier eine neue Pastorin eingesegnet. Willst Du mich jetzt aussegnen? Das klingt so nach Beerdigung.

A.: Natürlich nicht! Aber z. B. entpflichten – Du MUSST jetzt nichts mehr tun, aber Du darfst noch – und Pastorin bleibst Du ohnehin (so lange Du es möchtest).

U.: mhm …

A.: Nun schwirre schon ab auf die Kanzel – oder hast Du nichts mehr zu sagen?

U.:   Na gut. J  Aber ich bleibe lieber hier unten – ich möchte ja nicht „von oben herab“ reden …

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist.                 Amen.

Liebe Anwesende,

gestern wurde ich am Telefon gefragt: „Freust Du Dich eigentlich auf den Gottesdienst morgen?“ und ich konnte ehrlichen Herzens sagen: „Inzwischen Ja! Ja, ich freue mich.“

Im April, als das eigentlich aktuell war, hätte ich das noch nicht gekonnt, denn es ist ja etwas dran, dass ich mich eigentlich irgendwie um diesen Abschied drücken wollte, weil eben jeder Abschied ein kleines Sterben ist und weh tut.

Heute ist das anders, weil nicht nur ein Lebensabschnitt zu Ende ging, sondern weil Neues, und für mich sehr Erfreuliches angefangen hat – und weil Wichtiges geblieben ist.

Loslassen und bewahren zugleich, Ende und Anfang.

Allerdings: Irgendwie lastet jetzt auf mir der Druck, ich müsse nun etwas ganz Bedeutsames und Kluges sagen – etwas zum Merken und Aufmerken – zum Abschied, der ja gar kein wirklicher Abschied ist. Denn es sind eben keine „letzten Worte“.      

Klar ist, ich bin nicht mehr die Pastorin von Thale, Warnstedt, Bad Suderode und Friedrichsbrunn – den Staffelstab im Pfarrbereich habe ich am Ostermontag weiter gegeben - aber ich bin und bleibe Pastorin und das gerne und bin dankbar für neue Herausforderungen und Aufgaben im Kirchenkreis und darüber hinaus – solange ich das kann und darf.

Normalerweise sitze ich unter den Bläser/innen – und das ist mir wichtig: Mitzublasen und vor allem Dazuzugehören. Ich möchte Teil einer Gemeinschaft sein, keine Einzelkämpferin. Aber heute gönne ich mir mal das Zuhören - dürfen.

Wendegedenken – Erinnerung an den Reformations-Abend vor 25 Jahren – damals wurden „Zeugnisse der Betroffenheit“ laut.

Ursprünglich wollte ich jetzt sagen, was mich heute betroffen macht. Dann ist mir noch rechtzeitig eingefallen, dass in unserem Land viel gejammert wird – und das meist auf sehr hohem Niveau. Das möchte ich nicht und habe auch keinen Grund dazu, vielmehr möchte ich am Ende einer langen Zeit im kirchlichen Dienst sagen, was mich dankbar macht.

Ich werde drei Kerzen der Dankbarkeit entzünden.

1. Die erste für das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen, ohne das sehr vieles nicht möglich wäre - in den Kirchengemeinden – in den Kommunen – in Verbänden und Vereinen … über Parteigrenzen hinweg. Menschen, die nicht sagen „Was kriege ich dafür?“ und vor allem nicht: „Da kann man doch nichts machen“, sondern die sagen: „Da kann ICH was machen“ und das auch tun – zusammen mit anderen. Die nicht nur meckern und alles von anderen erwarten.

Dass viele den Mut haben, sich einzusetzen und kostenlos Zeit und Kraft opfern, auch wenn andere darüber den Kopf schütteln oder sich lustig machen, das finde ich einfach toll!

Mein Freund Erich Schweidler – er war Pfarrer an der St.Petri-Gemeinde und erster Nachwendebürgermeister in Thale – hat mir 1976 ins Gästebuch geschrieben: „Wer den Mut hat, sich unbeliebt zu machen, wer unbequem ist,  bringt die Entwicklung weiter. Mitmacher sind zwar bequem, aber langweilig.“

Sich anstößig zu verhalten bringt Anstöße – bringt in Bewegung – bringt weiter – macht die Welt etwas heller und wärmer, so wie diese Kerze.

2. Die zweite Kerze der Dankbarkeit entzünde ich für meine guten Erfahrungen mit der Ökumene – nicht nur aber auch hier in Thale.  Wir haben in den vergangenen Jahren vieles ganz unkompliziert gemeinsam gemacht, manchmal im Kleinen, dann auch im Größeren. Ich erinnere an den Ökumenischen Kreiskirchentag 2008, an die vielen Mitwirkenden beim Harzfest und 2009 beim Sachsen-Anhalt-Tag hier in Thale, bei den vielen Harzer Sommertagen, die wir ökumenisch gestaltet haben.

Viel Gemeinschaft und Gemeinsamkeiten konnte ich erleben bei den großen Ökumenischen Kirchentagen in Berlin und München, bei Katholikentagen und den großen evangelischen Kirchentagen und bei den Reformationstagen, die wir hier in Thale seit langem zusammen begehen – mit gemeinsamen fröhlichen Mahlzeiten.

Noch trennt uns evangelische und katholische Christen manches voneinander, doch es gibt viele Schritte aufeinander zu.  

Im September habe ich in Halberstadt an einer Ökumenischen Vesper teilgenommen aus Anlass des kirchlichen Festes für den Frieden und die Einheit der Kirche. Ein katholischer Geistlicher führte dazu aus:

Wichtig bleibt, dass der Glaube und das Mahl anderer Konfessionen nicht richtig oder falsch, sondern ehrlich, aber eben anders sind. Diese Erkenntnis ist eine tragfähige Grundlage für Gespräche, die keinen Einheitsbrei als Ergebnis wollen. Selbst wenn es immer noch nicht nach einer zeitnahen Lösung aussieht: "Der Mauerfall vor 25 Jahren kam auch unerwartet!"

Beifall bekam er für seinen Satz: „Freiheit muss ich mir NEHMEN.“  Die bekommen wir nicht auf einem Silbertablett serviert. Wenn das nicht hoffen lässt!

Dafür die zweite Kerze, bei der ich auch an den Satz denke, der mir schon in der DDR-Zeit wichtig geworden ist: „Es ist besser eine Kerze anzuzünden als über die Dunkelheit zu jammern.“

3. Die dritte Kerze ist deutlich größer als die beiden anderen und das ist natürlich kein Zufall. Ich bin in einem nichtkirchlichen Elternhaus aufgewachsen und habe als Jugendliche ersten Kontakt zu Kirche und Glauben gefunden. Dankbar bin ich für die Kraft des Glaubens – für die Einladung zur Freiheit und zum aufrechten Gang.

Ein Spruch von Theodor Storm, den ich von meinem Konfirmator gelernt habe, hat mich geprägt: „Der eine fragt: Was kommt danach? Der andre fragt nur: Ist es recht? Und also unterscheidet sich der Freie von dem Knecht.“

Ich wollte FREI sein und habe im Glauben Freiheit gefunden und die Erkenntnis gewonnen: Gottesfurcht schützt gegen Menschenfurcht. Ich denke an Paulus in der Gefängniszelle: Er war gefesselt und predigte dennoch FREI das Evangelium. – Ich lebte in einem Staat, der seine Bürger/innen einsperren musste, damit sie blieben …

Diesen Zustand konnten wir beenden – friedlich – ohne Gewalt – mit vielen kleinen Kerzen, auch hier bei uns in Thale.

Dafür diese dritte große Kerze. Danke für alles!

Heute meine Verabschiedung aus dem offiziellen Dienst. Aber ich bin und ich bleibe Pastorin. Als Christin lebe ich in dem Wissen, ein Geschöpf zu sein – verantwortlich für mein Leben, für alles Tun und für alles Lassen – und angewiesen auf Gemeinschaft.  

Gott gibt dem Menschen viele Möglichkeiten und setzt ihm hilfreiche Grenzen. Wer sich vor Gott verantwortlich weiß, geht verantwortlich mit der Schöpfung, mit den Mitmenschen, mit sich selbst um.  

Jesus ist uns ein Vorbild: Er war unbequem und anstößig – hatte keine Angst vor den Mächtigen und Geduld mit den Unvollkommenen. Er blieb ehrlich und riskierte es, sich unbeliebt zu machen. Mit seinen Maßstäben lässt es sich leben: „Gott ist der Mensch, der uns menschlicher macht.“

Zum Schluss ein Satz vom „Ehrenbürger der Herzen“ unserer Stadt, dem katholischen Pfarrer Wolfgang Janotta, den ich beim Abschied von den Gemeindekirchenräten im März zitiert habe:

„Ich habe getan, was ich konnte. Den Rest muss der liebe Gott erledigen.“

Wird er – er hat ja Sie und Euch! J

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.       Amen.

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Angelika Zädow:

Liebe Ursula, liebe Gemeinde,

nach 38 Jahren in Thale und 40 Jahren im kirchlichen Dienst wirst Du, liebe Ursula, heute aus diesem Dienst verabschiedet. Dass Du daran lange geknabbert hast, ist kein Geheimnis. Und ja, das ist sicher schwer, nach einer solchen Zeit alles „sein“ zu lassen, was vier Jahrzehnte tagtäglich das Leben und die Zeit prägte, den Tagesrhythmus vorgab, Herz und Verstand beschäftigte: Lektoren und Organistinnen für die Gottesdienste und Amtshandlungen zu finden, die Gemeindebriefe zu gestalten und den Beiträgen „hinterher“ zu laufen, Besuche zu machen, die Anfragen des Kreiskirchenamtes zu bedienen, Gruppen und Kreise zu organisieren und noch viel mehr. Das alles hört nun auf nach 40 Jahren.

Diese Zahl spielt übrigens in der Bibel immer wieder eine Rolle: 40 Tage und Nächte dauerte die Sintflut, 40 Jahre dauerte der Zug des Volkes Israel durch die Wüste, Mose weilt 40 Tage auf dem Berg Sinai, um die Gebote zu empfangen, der Prophet Elia geht 40 Tage und Nächte zum Berg Horeb und Jesus fastet 40 Tage in der Wüste.

So unterschiedlich diese Erzählungen sind -  zwei Dinge verbinden sie. Erstens: In dieser Zeit begegnen sie Gott. Und ich wünsche Dir und Ihnen, liebe Gemeinde, dass Sie im Nachdenken über die gemeinsame Zeit im Pfarrbereich Thale auch sagen können: Da gab es Momente und Augenblicke der Gemeinschaft, in denen wir uns des Glaubens sicher waren oder wurden.

Zweitens: Nach dieser Zeit veränderte sich das Leben der Menschen. Dieser Zeitpunkt ist nun für Dich, und Ihre Gemeinden gekommen. Sie alle haben eine neue Pastorin, die nun mit Ihnen Leben und Zeit im Pfarrbereich Thale gestaltet und auf dem Weg des Glaubens weiter geht, anknüpft an das was war und ganz andere Wege wagt.

Und du, liebe Ursula, wagst ja bereits andere Wege, hilfst Gemeinden im Kirchenkreis über die Zeit von Vakanzen hinweg. Hältst Gottesdienste und Amtshandlungen, organisierst und berätst. Der Rhythmus Deiner Zeit ist nun anders. Aber die Zeit an sich bleibt. Du hast nun die Freiheit, sie nach Deinen Wünschen nach Deiner Lust woanders zu gestalten und ohne Amtspflichten. Von Herzen wünsche ich Dir, dass Du diese Freiheit nutzen und Deine Zeit füllen kannst.

So Gott will, noch 40 Jahre, Amen.

 

Liebe Ursula,

vor Gott und dieser Gemeinde endet hiermit Dein Dienst im Pfarrbereich Thale, der Dir übertragen war. Alle Zuständigkeiten und Pflichten liegen nicht mehr in Deinen Händen. Was Dich in Deiner Arbeit beschwert hat, was unfertig blieb oder Sorgen macht, legen wir in die Hände Gottes, der allein aus allem ein Ganzes zu machen vermag. Nichts soll Dich beschweren, nichts soll Dich betrüben. Gott wird Dich tragen und begleiten auf Deinem weiteren Lebensweg.

 

Gebet:

Gott, Du Anfang und Ende der Zeit: Wir danken Dir für den Dienst von Pastorin Ursula Meckel, für die Zeit, die sie hier gewirkt hat. Und bitten Dich: Segne unsere Schwester im Glauben. Stärke sie mit Deinem Wort. Schenke ihr Mut und Zuversicht. Das bitten wir Dich durch Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist unserem Leben einen neuen Anfang schenkt. Amen.

Segen

Gott segne dir den Blick zurück und den Schritt nach vorn. Er schenke dir eine Melodie, die dich wie ein Lachen durch den Tag begleitet und Menschen, die ihre Arme um dich legen wie ein wärmender Mantel. So segne dich…